Kita-Gebühren: Wann das Jugendamt die Kosten übernimmt

Ein Platz in der Kita, im Hort oder bei einer Tagesmutter ist für die Entwicklung des Kindes und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf essenziell. Die Elternbeiträge können jedoch eine erhebliche finanzielle Belastung sein. Wichtig zu wissen: Wenn Ihr Einkommen nicht ausreicht, haben Sie einen Rechtsanspruch darauf, dass das Jugendamt die Kosten ganz oder teilweise übernimmt.

Hinweis: Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung. Alle Inhalte dienen der allgemeinen Orientierung. Bei Unsicherheiten wenden Sie sich bitte an eine anerkannte Beratungsstelle oder einen Rechtsanwalt.

Autor: Sozial-Lotse Team Letzte Aktualisierung:

Die gesetzliche Grundlage: § 90 SGB VIII

Ihr Anspruch ist im Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfe) geregelt. Dort steht sinngemäß: Elternbeiträge sind nur in einer Höhe zu entrichten, die ihnen zuzumuten ist. Die Zumutbarkeitsgrenze hängt von Ihrem Einkommen, Ihrer Familiengröße und besonderen Belastungen ab.

Wie wird die "zumutbare Belastung" berechnet?

Jedes Jugendamt hat eine eigene Satzung, in der die Einkommensgrenzen und Staffelungen festgelegt sind. Die Berechnung ist oft komplex, folgt aber meist diesem Prinzip:

  1. Ermittlung des anrechenbaren Einkommens: Es werden die Brutto-Einnahmen der Familie herangezogen. Davon werden bestimmte Posten wie Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Werbungskosten abgezogen.
  2. Berücksichtigung von Belastungen: Besondere Belastungen wie private Versicherungen, Fahrtkosten zur Arbeit oder Unterhaltsverpflichtungen können das anrechenbare Einkommen weiter senken.
  3. Vergleich mit der Einkommensgrenze: Das so ermittelte Nettoeinkommen wird mit der für Ihre Familiengröße geltenden Einkommensgrenze verglichen. Liegt Ihr Einkommen darunter, ist Ihnen der Beitrag nicht zuzumuten.

Der Antrag: Sichern Sie Ihre Ansprüche frühzeitig!

Das Wichtigste zuerst: Die Kostenübernahme oder Ermäßigung wird fast immer erst ab dem Monat der Antragstellung gewährt. Warten Sie nicht, bis Sie die offiziellen Formulare haben! Ein kurzes, formloses Schreiben reicht aus, um die Frist zu wahren und sich die Leistung ab diesem Monat zu sichern.

Ihr formloser Erstantrag sollte die wichtigsten Informationen enthalten, um von der Behörde bearbeitet werden zu können. Anschließend wird man Ihnen die offiziellen, ausführlichen Formulare zusenden.

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Checkliste – Kita-Gebühren: Antrag auf Ermäßigung & Übernahme

Fallbeispiele

Kurz und anonymisierte Praxisfälle zeigen typische Abläufe, Herausforderungen und Lösungswege. Diese Beispiele dienen der Orientierung — jeder Fall ist vereinfacht dargestellt.

Beispiel 1 – Geringverdiener knapp über der Grenze

Ausgangslage: Familie Klein (2 Kinder) verdient zusammen 3.200 € netto. Die Kita-Gebühren sollen laut Tabelle 350 € betragen. Das sprengt ihr Budget, da sie hohe Miete zahlen.

Problem: Sie bekommen kein Bürgergeld und kein Wohngeld. Auf den ersten Blick müssen sie voll zahlen.

Maßnahme: Sie stellen einen Antrag auf "Wirtschaftliche Jugendhilfe" (§ 90 SGB VIII). Sie weisen hohe Fahrtkosten zur Arbeit und Belastungen durch einen alten Kredit nach.

Ergebnis: Das Jugendamt berechnet das "zumutbare Einkommen" neu. Aufgrund der Belastungen und der zwei Kinder wird der Beitrag auf 80 € reduziert. Eine komplette Befreiung gab es nicht, aber eine spürbare Entlastung.

Beispiel 2 – Umzug in ein anderes Bundesland

Ausgangslage: Frau Miri zieht von Berlin (kostenfreie Kita) nach Bayern. Dort soll sie plötzlich 250 € für den Kindergartenplatz zahlen. Sie ist alleinerziehend und arbeitet Teilzeit.

Problem: Sie hatte die Kosten nicht eingeplant. Ihr Gehalt reicht gerade so für Miete und Lebensunterhalt.

Maßnahme: Sie beantragt Wohngeld. Durch den positiven Wohngeldbescheid hat sie nun auch Anspruch auf Übernahme der Kita-Gebühren durch das Jugendamt.

Ergebnis: Das Jugendamt übernimmt die kompletten 250 € Gebühren. Frau Miri muss lediglich das Essensgeld von 60 € selbst tragen (bzw. über BuT beantragen).

Hinweis: Kita-Gebühren sind Ländersache und variieren stark. Ein Antrag auf Übernahme lohnt sich aber fast immer, wenn das Geld knapp ist.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer genau ist für meinen Antrag zuständig?

Zuständig ist in der Regel das Jugendamt (Amt für wirtschaftliche Jugendhilfe) an Ihrem Wohnort. Manchmal wird diese Aufgabe auch von der Stadt- oder Gemeindeverwaltung direkt wahrgenommen. Suchen Sie auf der Webseite Ihrer Stadt nach den Stichworten 'Kita-Gebühren' oder 'Elternbeiträge'.

Ab wann werden die Kosten übernommen?

Die Kostenübernahme oder Ermäßigung gilt in der Regel erst ab dem Monat, in dem Sie den Antrag beim Jugendamt stellen. Es ist daher extrem wichtig, den Antrag so früh wie möglich einzureichen, auch wenn es zunächst nur ein formloses Schreiben zur Fristwahrung ist.

Was zählt alles zum Einkommen?

Zum Einkommen zählen alle Einnahmen der Familie, z.B. Lohn und Gehalt (brutto!), aber auch Lohnersatzleistungen wie Elterngeld, Arbeitslosengeld oder Krankengeld sowie Einkünfte aus Vermietung oder Kapitalvermögen. Kindergeld wird in der Regel nicht als Einkommen der Eltern gewertet.

Wird mein Antrag automatisch für ein Jahr bewilligt?

Nein, in der Regel wird die Kostenübernahme für einen bestimmten Bewilligungszeitraum gewährt (oft 6 oder 12 Monate). Danach müssen Sie einen neuen Antrag stellen und Ihre Einkommensverhältnisse erneut nachweisen.

Quellen & weiterführende Links

Zuletzt geprüft: 02.01.2026