Das 14-tägige Widerrufsrecht: So lösen Sie sich rechtssicher von Verträgen
Schnell geklickt, am Telefon überrumpelt oder an der Haustür unterschrieben – und schon steckt man in einem Vertrag, den man gar nicht wollte.
Genau dafür gibt es das Widerrufsrecht: Es schützt Verbraucher vor übereilten Entscheidungen und ermöglicht, Verträge innerhalb von 14 Tagen ohne Angabe von Gründen zu widerrufen.
Hinweis: Diese Seite bietet allgemeine Informationen und ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Streitfällen wenden Sie sich an eine Verbraucherzentrale oder einen Rechtsanwalt.
Autor:Sozial-Lotse Team•Letzte Aktualisierung:
Wann gilt das Widerrufsrecht?
Das Widerrufsrecht gilt für sogenannte Fernabsatzverträge und außerhalb von Geschäftsräumen geschlossene Verträge.
Dazu zählen unter anderem:
Bestellungen in Online-Shops
Vertragsabschlüsse am Telefon oder per E-Mail
Haustürgeschäfte oder Kaffeefahrten
Käufe über Kataloge oder TV-Angebote
Wann beginnt die 14-Tage-Frist?
Bei Warenkäufen ab dem Tag, an dem Sie oder eine von Ihnen benannte Person die Ware erhalten.
Bei Dienstleistungsverträgen ab dem Tag des Vertragsabschlusses.
Wichtig: Die Frist läuft nur, wenn Sie korrekt über Ihr Widerrufsrecht belehrt wurden.
Fehlt oder ist die Belehrung fehlerhaft, verlängert sich die Frist automatisch auf 12 Monate und 14 Tage.
Ausnahmen vom Widerrufsrecht
In einigen Fällen besteht kein Widerrufsrecht. Dazu gehören unter anderem:
Waren, die individuell für Sie angefertigt wurden (z. B. Maßanfertigungen, personalisierte Produkte).
Versiegelte Hygieneartikel, wenn die Versiegelung geöffnet wurde.
Lebensmittel oder Waren, die schnell verderben können.
Tickets für Veranstaltungen, Flüge oder Hotels mit festem Termin.
Digitale Inhalte, wenn Sie der sofortigen Ausführung zugestimmt und auf Ihr Widerrufsrecht verzichtet haben.
Wie erkläre ich den Widerruf richtig?
Der Widerruf muss eine eindeutige Erklärung enthalten, aus der Ihr Wille zum Vertragsrücktritt hervorgeht.
Eine einfache Nachricht wie „Hiermit widerrufe ich den am [Datum] geschlossenen Vertrag“ genügt.
Wichtig ist, dass Sie Ihre Vertragsdaten, Kundennummer und Datum angeben.
Erfolgreiche Wege für den Widerruf:
Per E-Mail: Schnell, nachweisbar und ausreichend, wenn Sie eine Bestätigung anfordern.
Per Post: Empfehlenswert bei höheren Beträgen oder wichtigen Verträgen (Einschreiben).
Online-Formular: Viele Händler bieten eigene Widerrufsformulare auf ihrer Website an.
Tipp: Bewahren Sie immer einen Nachweis über den Versand Ihres Widerrufs auf – z. B. durch Versandbestätigung oder Screenshot.
Wer trägt die Kosten der Rücksendung?
Sie als Verbraucher tragen grundsätzlich die Kosten der Rücksendung, sofern der Händler Sie darüber informiert hat.
Viele große Online-Händler wie Amazon, Zalando oder Otto übernehmen diese Kosten freiwillig aus Kulanz.
Wie geht es nach dem Widerruf weiter?
Der Händler muss Ihre Zahlung innerhalb von 14 Tagen nach Eingang des Widerrufs erstatten.
Sie müssen die Ware innerhalb derselben Frist zurücksenden.
Bei verspäteter Rücksendung kann der Händler den Rückzahlungsbetrag kürzen.
Rechtssicher widerrufen – mit Vorlage
Unser Generator erstellt automatisch ein vollständiges Widerrufsschreiben, das alle Pflichtangaben enthält – inklusive Datum, Vertragsnummer und Rückzahlungsforderung.
🤖
Clerion – Die KI, die Ihnen bei Behördenpost und Anträgen hilft
Ob Brief vom Amt, komplizierter Antrag oder langer Bescheid:
Clerion erklärt Ihnen jedes Schreiben verständlich, erkennt Fristen,
prüft Dokumente und erstellt auf Wunsch ein fertiges Antwort-PDF.
Einfach, sicher und entwickelt für Menschen, die im Alltag entlastet werden wollen.
Sie suchen kostenlose Infos oder Vorlagen? Hier finden Sie weitere Hilfsangebote:
Checkliste – Das 14-tägige Widerrufsrecht: So lösen Sie sich von Verträgen
Fallbeispiele
Kurz und anonymisierte Praxisfälle zeigen typische Abläufe, Herausforderungen und Lösungswege. Diese Beispiele dienen der Orientierung — jeder Fall ist vereinfacht dargestellt.
Beispiel 1 – Widerruf per E-Mail reicht nicht (Beweislast)
Ausgangslage: Herr Kurz bestellt einen teuren Fernseher (1.500 €). Er widerruft per E-Mail, schickt das Gerät zurück, aber das Paket geht verloren. Der Händler behauptet, nie einen Widerruf erhalten zu haben.
Problem: Da die Ware verloren ist und der Händler den Widerruf bestreitet, läuft der Vertrag weiter. Herr Kurz kann den Zugang der E-Mail nicht beweisen (keine Lesebestätigung).
Maßnahme: Er lernt daraus: Bei hohen Summen immer doppelt absichern. Hätte er ein Fax oder Einschreiben geschickt, wäre der Widerruf wirksam, und das Transportrisiko bei der Rücksendung hätte der Händler getragen.
Ergebnis: Er muss auf Kulanz hoffen oder den Versanddienstleister haftbar machen. Ein teurer Fehler.
Beispiel 2 – Wertersatz für benutzte Matratze?
Ausgangslage: Frau Lang kauft eine Matratze online, entfernt die Folie und schläft drei Nächte darauf. Sie gefällt ihr nicht, sie widerruft.
Problem: Der Händler will 50% Wertersatz abziehen, weil die Matratze "entsiegelt" sei (Hygieneartikel).
Maßnahme: Frau Lang verweist auf ein BGH-Urteil: Matratzen sind keine Hygieneartikel (wie Zahnbürsten), da sie gereinigt werden können. Das "Probeliegen" entspricht dem Testen im Laden.
Ergebnis: Der Händler muss den vollen Kaufpreis erstatten. Anders wäre es bei entsiegelter Kosmetik oder In-Ear-Kopfhörern gewesen.
Hinweis: Nutzen Sie das Muster-Widerrufsformular, das jeder Shop bereitstellen muss. Das vermeidet Missverständnisse beim Text.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie lange gilt das Widerrufsrecht?
Die Frist beträgt 14 Tage ab Erhalt der Ware oder Vertragsbestätigung. Ohne korrekte Belehrung verlängert sich die Frist auf bis zu 12 Monate und 14 Tage.
Muss ich eine Begründung angeben?
Nein. Sie können ohne Angabe von Gründen widerrufen. Eine Begründung darf nicht verlangt werden.
Wer zahlt die Rücksendung?
In der Regel Sie als Verbraucher, sofern der Verkäufer dies vorab mitgeteilt hat. Viele Händler übernehmen sie freiwillig.
Was tun, wenn die Frist vorbei ist?
Prüfen Sie, ob die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war. Wenn ja, gilt eine verlängerte Frist. Ansonsten bleibt nur die Kulanz des Händlers oder ein Rücktrittsrecht aus anderen Gründen.
Kann ich den Widerruf online oder per E-Mail erklären?
Ja. Eine formlose E-Mail mit eindeutiger Erklärung reicht aus. Fordern Sie aber immer eine Bestätigung an.